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Der Jadebusen

Jadebusen: Der Lebensraum für Zugvögel

Westlich der Weser gelegen findet sich der Jadebusen, eine Bucht, die in der Luftansicht einem Apfel ähnelt und sich weit in die friesische Küste hineinzieht. Dieses Gebiet ist durch einen großen Nährstoffreichtum charakterisiert, da hier aufgrund der Meerenge die Gezeiten besonders intensive Veränderungen hervorrufen. Jede Flut bringt einen Wasserstrom in die Bucht, während die Ebbe konsequent das Watt freilegt. So wurde der Jadebusen zu einem echten Nahrungs- Eldorado für Vögel und erhielt zu Recht 1986 seinen Status als Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Seit 2009 ist dieses sogar zum UNESCO Weltkulturerbe benannt.

Die Entstehung des Jadebusens

Die geschichtlichen Anfänge des Jadebusens gehen bereits auf das Mittelalter zurück, als tragische Sturmfluten das damalige Moorgebiet vereinnahmten und so eine dauerhafte Vegetationsveränderung hervorbrachten. Auf das ursprüngliche Moor weist heute lediglich noch ein kleiner Bereich in den Salzwiesen bei Sehestedt hin, der sich nach wie vor als Hochmoor erstreckt. Als „Schwimmendes Meer“ bekannt, schwemmt der dortige Torfboden bei Überflutungen auf und treibt dann auf dem Meerwasser. Darüber hinaus gibt es im Jadebusen keine Zeugen mehr für die Zeit vor den mittelalterlichen Sturmfluten. Im 16. Jahrhundert startete dann die „Rückeroberung“ dieser Region durch die Bewohner, in dem sie begannen, das Gebiet mittels des Baus von Deichen trocken zu legen. Die heute so bekannte Apfelform entstand jedoch erst 3 Jahrhunderte später als langsamer Entwicklungsprozess.

Süß- und Salzwasser schaffen besondere Lebensräume

Der Lebensraum am Jadebusen ist stark geprägt durch die besondere Verbindung von Salzwasser und Süßwasser, welches nicht nur durch die Jade in das Gebiet trägt, sondern auch die vielen kleinen Flüsse und Kanäle entlang der Region. Das Gebiet zeigt stark ausgeprägte Salzwiesen, welche an manchen Stellen sogar eine Breite von 1 km einnehmen. Außerdem dominieren die so genannten Pütten das Landschaftsbild am Jadebusen. Bei ihnen handelt es sich um rechteckige, flache Gewässer, deren Entstehung auf der Entnahme des schweren Marschbodens, dem Klei, beruht, der seine Verwendung in der Stabilisierung der Deiche fand. Angrenzend findet sich das Grünland, welches ebenfalls mit Pütten durchzogen ist und darüber hinaus auch einen besonderen Lebensraum für verschiedene Vogelarten darstellt. Nordwestlich des Jadebusens thront die 80.000 Einwohner-Stadt Wilhelmshaven mit ihrer bedeutenden Hafenanlage.

Vogelarten und Reisezeit am Jadebusen

Der Jadebusen ist ein Lebensraum für vielerlei Vogelarten. Vor allem die Salzwiesen locken eine vielfältige Population an. So finden sich im Bereich der Pütten Limikolen, Möwen und Seeschwalben sowie bei Hochwasser Entenvögel, die hier ihren Rastplatz suchen. Die Salzwiesen selbst sind als Brutstätten bei Rotschenkeln, Austernfischern, Kiebitzen, Wiesenpiepern, Lachmöven, Säbelschnäblern und Flusseeschwalben äußerst beliebt. Diese locken wiederum Jadgvögel an, so dass Rohr- und Wiesenweihen zu beobachten sind. Auf Nahrungssuche hingegen begegnet man Berghänflingen sowie wenigen Schneeammern und Ohrenlerchen.

Binnendeichspütte Dangast

Die Wattflächen und Salzwiesen bei Dangast nutzen im Herbst, Schwärme von Strandläufer, Knutts und zahlreichen Säbelschnäblern. Hier herrscht bei auflaufendem Wasser ein reges Treiben an Limikolen. Zur Brutzeit sind...

Vogelbeobachtung am Salzwiesenpfad Sehestedt

Begibt man sich zum Strandbad Sehestedt, eröffnet sich Außendeichs das so genannte Schwimmende Moor, die Überreste eines Hochmoors. Ein Rundweg, der Salzwiesenpfad Sehestedt,  führt durch das Moor, wobei die...

Pütten beim Beckmannsfeld Außendeich

Wat- und Wasservögel lassen sich besonders gut zwischen Beckmannsfeld und Hayenschloot, direkt am Jadebusen, beobachten. Der Grund, dass sie sich überhaupt so zahlreich dort aufhalten, sind die einstigen Bodenabbaustellen...

Vögel beobachten am Wapelersiel

Das Wapeler Siel, wo die Jade ins Watt mündet, befindet sich an der südlichen Spitze des Jadebusens. Der ca. 1 Kilometer breite Salzwiesen Streifen ist ein wichtiger Lebensraum für...

Das Marschgebiet im hinteren Deichbereich ist zwar durch eine abnehmende Vogelpopulation charakterisiert, vereinzelte Kiebitze und Uferschnepfen sind jedoch weiterhin zu beobachten. Im Schilfbewuchs der Gräben lassen sich die Schilfrohrsänger und gegebenenfalls auch einzelne Blaukehlchen nieder.

Das Schlick im Wattgebiet ist im Spätsommer bevorzugter Mauser- und Rastplatz für Säbelschnäbler und kann sich in dieser Funktion zu den Bedeutendsten in Deutschland zählen. In den Reisezeiten April bis Mai und Juli bis September nehmen sich hier Dunkle Wasserläufer, Rotschenkel, Grünschenkel und Alpenstrandläufer Platz. Das Gebiet ist außerdem im Frühjahr, vor allem März, und im Spätherbst im Oktober und November Rastplatz für Spieß-, Krick- und Stockenten in großer Population. Außerdem sind im Sommer auch Löffler zu Gast am Jadebusen, die ihre bevorzugte Brutstätte auf der so genannten Vogelinsel Mellum unterhalten.

Der Winter am Jadebusen steht hingegen ganz im Zeichen der Blässgänse, Weißwangengänse und Pfeifenten sowie diverser Greifvogelarten wie Mäusebussard, Kornweihen und Raufußbussard. Das maritime Wilhelmshaven ist darüber hinaus eine beliebte Brutstätte der Flusseeschwalben.

Die Vogelarten am Jadebusen im Überblick

Vogelliebhaber finden am Jadebusen eine reichhaltige Artenvielfalt, die nicht nur durch große Kolonien gekennzeichnet ist, sondern auch vereinzelte Vogelarten anlockt. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, über den kompletten Jahresverlauf hinweg unterschiedliche Vogelarten am Jadebusen beobachten zu können:

Art

Status

Austernfischer

ganzjährig häufiger Jahresvogel

Berghänfling

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Blässgans

häufiger Wintergast von November bis April

Blaukehlchen

seltener Brutvogel von April bis Mai

Brandgans

ganzjähriger häufiger Jahresvogel

Dunkler Wasserläufer

häufiger Durchzügler im April und von Juni bis Oktober

Flussseeschwalbe

häufiger Brutvogel von Mai bis Juli

Goldregenpfeifer

häufiger Durchzügler von März bis April und von September bis November

Großer Brachvogel

häufiger Durchzügler und regelmäßiger Wintergast von Juli bis April

Haubentaucher

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Kiebitz

häufiger Brutvogel von März bis Mai

Kornweihe

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Küstenseeschwalbe

regelmäßiger Brutvogel von Mai bis Juli

Lachmöwe

häufiger Brutvogel von April bis Juni

Löffler

regelmäßiger Durchzügler von Juli bis September

Ohrenlerche

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Pfeifente

häufiger Wintergast von November bis April

Raufußbussard

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Regenbrachvogel

regelmäßiger Durchzügler im April und von Juli bis August

Rohrweihe

häufiger Brutvogel von April bis August

Rotschenkel

häufiger Brutvogel und Durchzügler von April bis Juni und von Juli bis September

Säbelschnäbler

regelmäßiger Brutvogel und Durchzügler von April bis September

Sandregenpfeifer

regelmäßiger Brutvogel von April bis Juni

Schellente

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Schilfrohrsänger

regelmäßiger Brutvogel von Mai bis Juni

Schneeammer

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Silbermöwe

ganzjähriger häufiger Jahresvogel

Spießente

häufiger Durchzügler von Oktober bis November und von März bis April

Sturmmöwe

seltener Brutvogel von April bis Juni

Uferschnepfe

seltener Brutvogel und regelmäßiger Durchzügler von April bis Mai und im Juli

Wanderfalke

regelmäßiger Wintergast von November bis März

Weißwangengans

häufiger Wintergast von November bis April

 

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